Zeckenbisse erkennen – reagieren – beobachten

Zeckenbiss bei Mensch und Hund

Sommerzeit, Zeckenzeit. Und schon im Frühling und Herbst lauern Zecken auf uns und auch unsere Hunde. Schnell ist es passiert nach einem Ausflug ins Grüne findet man eine dieser gefährlichen Plagegeister an sich oder dem Tier.

Der Volksmund sagt, dass Zecken auf den Bäumen lauern und ihre Opfer regelrecht anfallen. Das stimmt so nicht. Die Zecken gehören zu den Spinnentieren und lauern nicht auf Bäumen. Sie sind in Hecken, Gebüschen und an Gräsern zu finden und werden von Hund oder Mensch im Vorbeigehen abgestreift. Auch beim Picknick auf der Wiese kann sich jeder Mensch schnell eine Zecke einfangen. Nachfolgend wird näher auf den Zeckenbiss, die Zeckensaison und eventuelle gesundheitliche Folgen eingegangen.

Wann beginnt die Zeckensaison?

Zecken sind von April bis Oktober aktiv und können auch von März bis November den Menschen befallen. Wie und wann Zecken aktiv werden, hängt von der Temperatur ab, weswegen die Tiere auch im Winter bei milden Temperaturen noch aktiv sein können. Selbst also im Dezember, Januar und Februar kann man Opfer eines Zeckenbisses werden.

Die Zeckensaison reicht in Deutschland von April bis Oktober, je nach Temperaturgefüge auch von März bis November. Selbst in milden Wintermonaten können Zecken aber hierzulande aktiv sein.

Wo in der Natur kommen Zecken bevorzugt vor?

Die Spinnentiere sind in Sträuchern, Farnen und in hohen Gräsern zu finden. Zudem leben Zecken in Parks, Gärten sowie im Unterholz in Wäldern. Zecken werden meist von Wildtieren abgestreift und klettern auf den Tieren, bis sie eine geeignete Stelle zum Blutsaugen finden. Wenn Menschen oder Hunde die Spinnentiere abstreifen, dann werden sie ebenfalls zum Kletterziel. Und eben zum Opfer der nächsten Blutmahlzeit.

Ist der Zeckenbiss ein Biss oder ein Stich?

Der Zeckenbiss ist im eigentlichen Sinne kein Biss, sondern ein Stich. Die Zecke besitzt Stech- und Saugwerkzeuge, die sie zum Blutsaugen einsetzt. Zunächst erzeugt die Zecke mittels scherenartiger Mundwerkzeuge eine Wunde, in die sie einen Stechrüssel einführt. Der Stechrüssel ist mit Widerhaken ausgestattet und verankert die Zecke unter der Haut. Durch Schnitt und Stechrüssel werden kleine Gefäße verletzt und Blut kann von der Zecke aufgesaugt werden.

Meist bleibt ein Zeckenstich erst einmal unbemerkt, denn die Zecke sticht so zu, dass wir es erst einmal nicht merken. Schmerzen bereitet der Stich uns zumindest nicht.

Woran ist ein Zeckenbiss zu erkennen?

Ein Zeckenbiss bzw. ein Zeckenstich ist schnell zu erkennen, wenn die Zecke noch in der Haut steckt. Die Zecke ist als schwarzer Punkt wahrnehmbar und wird bei näherer Betrachtung (Lupe) schnell als Zecke in der Haut identifiziert. Noch leichter ist es natürlich, wenn die Zecke ihre Blutmahlzeit bereits begonnen hat.

Ist die Zecke nicht mehr auf der Haut zu finden, weil sie sich abgelöst hat oder abgekratzt wurde, wird der Stich eventuell nicht bemerkt. Des Weiteren ist der Stich häufig nicht als Zeckenstich einzuordnen und wird für einen Mückenstich gehalten. Genau wie ein Mückenstich, kann der Zeckenstich später jucken. Die gestochene Stelle muss allerdings nicht jucken und kann unbemerkt bleiben.

Welche Komplikationen kann ein Zeckenbiss nach sich ziehen?

Ein Zeckenbiss verläuft in den meisten Fällen unkompliziert. Problematisch ist allerdings, dass Zecken eine ganze Reihe von Krankheiten übertragen. Diese bereiten uns (und unseren Hunden, Katzen weniger) dann große Probleme.

Bestimmte Regionen Deutschlands zählen zu den Risikogebieten für die Infektionskrankheiten FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) und Borreliose. FSME und Borreliose können durch Zecken übertragen werden. Sollte ein Zeckenbiss in den Risikogebieten auftreten, ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen. Wird der Zeckenbiss nicht bemerkt oder ist die Zecke bereits weg, sollten bestimmte Krankheitssymptome beachtet werden.

Gegen FSME können wir uns auch impfen lassen. Wer viel in freier Natur unterwegs ist und auch noch in einem Risikogebiet lebt, sollte mit seinem Arzt über eine mögliche Impfung sprechen. Während Hunde bereits gegen Borreliose geimpft werden können, ist das beim Menschen nicht der Fall.

Wann sollte ein Zeckenbiss von einem Arzt kontrolliert werden?

Ein Zeckenbiss sollte von einem Arzt untersucht bzw. kontrolliert werden, wenn die Zecke noch in der Haut steckt und nicht selbst entfernt werden kann. Sollten nach dem Herausziehen der Zecke die Mundwerkzeuge oder der gesamte Kopf noch in der Haut stecken, ist ebenfalls ein Gang zum Arzt ratsam. Der Arzt kann die Zecke vollständig aus der Wunde entfernen, bevor sich eine Entzündung bildet.
Tritt nach einem Zeckenbiss eine scharf umrandete Rötung auf, die sich vergrößert, sollte ebenfalls ein Arzt aufgesucht werden. Die Rötung kann sich auch in mehrere Ringe aufteilen. Wenn Symptome bemerkt werden, die einer Grippe oder einem grippalen Infekt ähneln, sollte ein Arzt zurate gezogen werden. Die Rötung ist auch als Wanderröte bekannt.

Symptome nach einem Zeckenbiss können auf sich warten lassen

Symptome, die mit einer durch Zecken übertragenen Infektionskrankheit zusammenhängen, können zwei bis drei Wochen oder sogar noch später nach einem Zeckenbiss auftreten. Die Beschwerden ähneln einem grippalen Infekt oder einer Grippe und gehen mit Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, Gliederschmerzen und Fieber einher.

Ein weiterer Grund einen Arzt nach einem Zeckenbiss aufzusuchen, ist eine entzündete Wunde. Wenn der Zeckenbiss eitert, dann ist der Gang zu einem Arzt unvermeidlich.

Bei einem Zeckenbiss immer sofort handeln!

Welche Sofortmaßnahmen sind bei einem Zeckenbiss sinnvoll?

Eine Zecke sollte so schnell wie möglich aus der Haut gezogen werden. Keinesfalls sollte die Zecke, die noch in der Haut steckt, getötet werden. Und auch nicht mit Creme oder Öl erstickt werden. In ihrem Todeskampf würde sie erst recht Bakterien in die Wunde übertragen, das gilt es unbedingt zu vermeiden.

Zecken unbedingt lebend entfernen. Im Todeskampf würden Zecken sonst erst recht noch Bakterien ausschütten und die Wahrscheinlichkeit zum Beispiel mit Borrelien infiziert zu werden steigt.

Um eine Zecke aus der Haut zu ziehen, sollte eine Pinzette oder eine Zeckenzange dicht am Übergang von Zeckenkopf zur Haut angesetzt werden. Die Zecke sollte langsam herausgezogen werden. Bleiben Mundwerkzeuge in der Haut, dann sollte ein Arzt aufgesucht werden, der die Zeckenreste fachgerecht entfernt. Die Zecke darf nicht mit den Fingern gegriffen oder zerquetscht werden. Wird der Zeckenkörper gedrückt oder gedreht während des Entfernens, dann entleert das Tier Speichel und Darminhalt in die Wunde. Zusammen mit den Verdauungssäften des Tieres werden auch Krankheitserreger übertragen. Die Krankheitserreger gelangen über die Wunde in den Blutkreislauf. Um generell die Ausschüttung von Speichel und Darminhalt in die Wunde zu verhindern, sollte die Zecke auch nicht mit Klebstoff, Alkohol, Nagellackentferner oder Öl behandelt werden. Das Anzünden der Zecke mittels Feuerzeug oder Streichholz ist ebenfalls nicht zu empfehlen. Zumindest nicht solange die Zecke eben noch festgebissen oder festgestochen auf ihrem Opfer sitzt.

Einstichstelle desinfizieren

Wenn die Zecke erfolgreich entfernt wurde, sollte die Einstichstelle sowie der Bereich um den Zeckenstich beobachtet werden. Bildet sich eine rote Fläche um den Stich oder bilden sich mehrere rote Kreise um den Stich, dann sollte ein Arzt aufgesucht werden. Bei Eiterbildung sollte ebenfalls ein Arzt zurate gezogen werden. Wer grippeähnliche Symptome nach einem Zeckenbiss bemerkt, der sollte das seinem Arzt mitteilen.

Warum Zecken so schnell wie möglich entfernen?

Entdeckt man eine saugende Zecke in der Haut, sollte man schnell reagieren. Einen begonnenen Waldspaziergang muss man wegen eines Zeckenstichs zwar nicht sofort abbrechen – doch allzu lange sollte mit der Entfernung der Zecke nicht gewartet werden. Wobei es für unterwegs auch praktische Zeckenkarten gibt, die eigentlich in jede Brieftasche passen. Nur das desinfizieren der Wunde muss dann auf später verschoben werden.

Je länger die Zecke sitzen bleibt, desto höher wird die Wahrscheinlichkeit für die Übertragung von Krankheitserregern. So vergehen im Schnitt 12 bis 24 Stunden, bis der Zeckenstich zu einer Infektion mit Borreliose-Bakterien führen kann. Auch andere Bakterien werden erst später übertragen. Gegen eine Infektion mit FSME-Viren nutzt aber leider auch das schnelle Entfernen der Zecke nichts, denn die Übertragung von FSME-Viren beginnt direkt nach dem Zeckenstich, denn das Virus befindet sich in den Speicheldrüsen der Zecke.

Welche Krankheiten werden durch Zecken übertragen?

Zecken können Infektionskrankheiten wie Borreliose und FSME übertragen. Das sind auch die beiden Hauptkrankheiten, die zumindest in unseren Breitengraden bzw. Europa von Zecken übertragen werden. Die Übertragung erfolgt von der Zecke sowohl auf den Menschen als auch auf Wirtstiere wie beispielsweise einen Hund.

Die Borreliose ist eine bakterielle Erkrankung, die durch Zecken übertragen wird. Die Erkrankung verläuft individuell unterschiedlich. Sie wirkt sich auf das Nervensystem, auf die Gelenke und auf die Haut aus. Bekannt ist die Borreliose auch unter den Namen Lyme-Krankheit und Lyme-Borreliose. Die Lyme-Borreliose wird von Bakterien mit dem Artnamen Borrelia burgdorferi übertragen und wird mit spezifischen Antibiotika behandelt. Wichtig ist eine frühzeitige Erkennung der Borreliose, damit die Erkrankung im Frühstadium mittels Antibiotika behandelt werden kann. In Deutschland tragen, laut Angaben des Robert-Koch-Institutes, 6 bis 35 % der Zecken den Borrelien-Erreger.

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis, auch FSME genannt, ist eine viruell übertragene Erkrankung. Das unterscheidet FSME von Lyme-Borreliose. Die FSME ist in bestimmten Regionen Deutschlands verbreitet. Wer in den Regionen wohnt oder Urlaub macht, der kann und sollte sich gegen FSME impfen lassen. Ein Erregersteckbrief im Internet zeigt die Ausbreitungsgebiete von FSME. Des Weiteren berät der Arzt auch zur FSME-Impfung und kann Auskunft über das Verbreitungsgebiet geben. Die FSME kann nicht ursächlich behandelt werden. Eine Vorbeugung durch eine Impfung ist möglich und empfehlenswert.

Weitere Krankheiten bzw. Viren und Bakterien, die von Zecken übertragen werden können

Borreliose und FSME sind die in unseren Breitengraden am häufigsten von Zecken übertragenen krankheiten. Dennoch beherbergen Zecken noch weitere Erreger, die man zumindest kennen sollte.

  • Babesiose, tritt vorallem am Mittelmeer auf. Fieber, Müdigkeit, Muskelschmerzen gehören zu den Symptomen einer Babesiose. Beim Menschen kommt diese Erkrankung seltener vor, gefährdeter sind da Hunde und auch Rinder.
  • Ehrlichiose. Bakterien übertragen diese Krankheit. Manchmal verläuft die Erkrankung ohne Symptome. Es können aber auch Fieber, Kopf-, Rücken- und Muskelschmerzen auftreten.
  • Hundemalaria. Ein weiterer Name der Babesiose.
  • Krim-Kongo-Fieber, wird durch den CCHFV-Virus ausgelöst. Dieser Virus kann die Blutgerinnung des Menschen verhindern. Es kommt zu Darmblutungen, Bluterbrechen und inneren Blutungen. Bei jedem Zweiten verläuft die Krankheit tödlich, einen Impfschutz gibt er derzeit noch nicht. Das Krim-Kongo-Fieber ist bisher in Südosteuropa (z.B. im Sommer 2006 an der Schwarzmeerküste mit zwei Todesfällen), Asien oder Afrika aufgetreten. In Deutschland ist diese Krankheit derzeit noch unbekannt bzw. wird nicht übertragen.
  • Rickettsiose (Fleckfieber), Mittelmeer-Fleckfieber.

 

Welche Maßnahmen können einem Zeckenbiss vorbeugen?

Wer einen Spaziergang in Wald und Wiesennähe oder an Gehwegen mit Sträuchern vornimmt, der sollte auf lange Hosen Wert legen und den Zecken keine Möglichkeit geben, in Hosenbeine zu krabbeln. Es ist zudem ratsam, sich nach einem Spaziergang oder einem Picknick in der Natur nach Zecken abzusuchen. Eine Zecke wandert auf der Haut und sucht eine dünne Hautstelle (Leiste, Achseln) zum Zustechen.

Welche Maßnahmen können vorbeugend beim Hund getroffen werden?

Hunde bringen öfter Zecken mit nach Hause und sollten daher regelmäßig nach einem Spaziergang abgesucht werden. Die Zecken sollten auch von dem Hund schnell entfernt werden. Generell ist es ratsam, einen Hund gegen FSME zu impfen und regelmäßig Zeckenschutzmittel einzusetzen. Der Tierarzt kann entsprechende Zeckenschutzmittel empfehlen, die für die jeweilige Hunderasse geeignet sind und gegen die lästigen Spinnentiere eingesetzt werden können. Eine wirkungsvolle Vorsorge ist das sofortige Absuchen des Tieres zu Hause und das sofortige Entfernen einer Zecke. Die gefährlichen Krankheitserreger brauchen ca. 16 bis 24 Stunden, um von der Zecke auf den Hund überzugehen.

Zeckenbiss – Fazit

Der Zeckenbiss ist kein Biss, sondern ein Stich. Bemerkt wird der Zeckenstich in der Regel durch die Zecke selbst, die in der Haut steckt und Blut saugt. Die Zecke sollte mit einer Pinzette oder einer Zeckenzange herausgezogen und nicht gedreht oder gedrückt werden. Bei falscher Entfernung der Zecke kann das Tier Speichel und Darminhalt zusammen mit evtl. vorhandenen Krankheitserregern in die Wunde ausschütten. Zecken können die Erkrankungen FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) und Lyme-Borreliose übertragen.

Lyme-Borrliose wird durch Bakterien übertragen und ist mittels Antibiotika behandelbar. FSME ist eine viruelle Erkrankung, gegen die vorbeugend eine Impfung hilft. Werden nach einem Zeckenstich rote Flecken oder Kreise um die Einstichstelle bemerkt, dann sollte ein Arzt aufgesucht werden. Wer nach einem Zeckenstich grippeähnliche Symptome bemerkt, der sollte ebenfalls einen Arzt zurate ziehen. Nach einem Spaziergang oder einem Picknick in der Natur kann ein Absuchen des Körpers helfen, Zecken zu entdecken und an einem Stich zu hindern. Die Tiere krabbeln auf dem menschlichen Körper und auf dem Wirtstierkörper, bis sie eine geeignete, dünne Hautstelle zum Blutsaugen gefunden haben.

Soforthilfe-Maßnahmen nach einem Zeckenstich:

  1. Zecke mit Pinzette oder Zeckenzange am Übergang Kopf/Haut herausziehen.
  2. Zecke nicht drücken oder mit den Fingern anfassen.
  3. Zecke nicht mittels Öl, Nagellackentferner oder Creme ersticken.
  4. Zecke nicht mit einem Streichholz oder Feuerzeug abbrennen. Zumindest nicht, solange sie noch bei ihrer Blutmahlzeit sind.
  5. Bleiben Mundwerkzeuge in der Wunde zurück, diese vom Arzt entfernen lassen.
  6. Zecken möglichst schnell entfernen.